01.11.2008

Nordisches Fremdgehen II

Das Unbekannte verschlingt jede ihrer Minuten, Stunden, Tage. Jede Gasse unbetreten, alle Häuser ungesehen, jeder einzelne Schritt führt nur, und nur, ins Ungewisse. Nicht unbedingt größer, aber weitläufiger scheint diese nordische Stadt für sie zu sein. Träume über ein neues Leben bei jeder Kreuzung, jedem Haus, jedem Schiff, das sie passiert. Der frische Wind umgibt sie und bringt frische Bilder in ihrem Kopf. Fantasien...

Menschen drängen sich an ihr vorbei. Sie kennt niemanden. Immer wieder fremde Stationen. Stationen der Stadt, Stationen ihres Lebens. Aber vor allem Stationen, die sie vom Untergrund wieder ins Licht führen. Hingezogen vom Drang nach neuen Bildern und neuen Gassen. Nichts kann passieren, sie ist mit sich selbst. Und mit dem Wasser. Auch wenn sie es nicht immer sieht. Es umgibt sie mit dem unvergleichlichen Klang der Möwen.

Langsam senkt sich die Sonne über den Horizont des Hafens. Die Lichter breiten sich wie kleine Glühwürmchen über die ganze Stadt aus, um sich im Wasser glanzvoll zu spiegeln. Sie ist angekommen und verbringt Zeit mit dem Stück Boden unter ihren Füßen. Sie geht über fremde Brücken. Sie geht fremd. Sie kennt niemanden. Ist aber nicht alleine. Das Wasser hat ihren Tag verschlungen. Mit zeitlosen Gedanken, fremden Blicken und der Ruhe, die nicht vergehen will. Was bleibt ist noch ein Tag mit der Stadt. Mit dem Wasser. Mit der Ruhe...

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