31.10.2008

Nordisches Fremdgehen

Audio




Text

Der eisige Wind bohrt sich durch ihre Haut tief in ihr Blut bis zu den erstarrten Knochen. Nur manchmal überkommt sie ein kurzes Gefühl der Wärme. Immer dann wenn sich die Sonne in ihrer spätherbstlichen Stärke wieder zeigt. Sie streckt ihre Hände dem Himmel entgegen. Sieht sich um. Bemerkt die Leichtigkeit die sie umgibt. Menschen, die mit langsamen Schritten dem überwältigenden Hafen mit Containern und Schiffen entlangspazieren. Ist es das Wasser? Fragt sie sich. Woran liegt es, dass alles steht, ruhig ist. Die Kälte wird langsam immer mehr zu einer Qual. Sie sucht Zuflucht und wird von der stickigen Zugluft in den unterirdischen Gassen angezogen...

"Bitte zurückbleiben" ertönt es aus den Lautsprechern. Ein starker Windzug streift durch die engen, langen Räume. Der Zug reibt sich an den Schienen und erzeugt dieses schleifende Geräusch, das alle umgibt. Es wird immer lauter und rauher. Lichter zeigen die orangen Mosaikwände in voller Farbenpracht. Wieder ein Gefühl der Ruhe. Die Türen öffnen sich aggresiv und sie überlegt noch ein letztes Mal: War es das Wasser?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen