30.12.2008

Info

Nordisches Fremdgehen I bis III findet ihr hier:

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Prosit Neujahr 2009

Nordisches Fremdgehen IV

Wieder daheim. Schon seit Wochen. Der Alltag hat sie überrannt, sie konnte sich nicht wären. Es geht weiter, womit sie begonnen hat. Sie spürt, dass es nach vorne geht. Übermorgen. Übermorgen ist ein wichtiger Tag für sie. "Eingereicht von Elisabeth Rutter" steht auf dem Buch, das sie in der Hand hält. Es ist ihre Diplomarbeit. Unglaublich, dass sie fertig geworden ist - denkt sie sich. Elisabeth, den Namen mag sie nicht. Deshalb immer Lissi oder Lisa oder Ela... nur nicht Elisabeth.

Übermorgen ist ihre Sponsionsfeier. Sie hat es geschafft. Dann kommt die Familie zusammen. Lissi macht sich sorgen wie es wohl wird, wenn ihre Eltern auf ihren Freund antreffen. Werden sie sich verstehen? Oder wird es so wie beim letzten Mal. Der fünfte Kaffee ist es schon heute. Trotzdem kann Lisa nichts gegen ihre Müdigkeit tun. Sie will nicht schlafen gehen. Lissi legt ihre Arbeit zur Seite, geht noch einmal zum Kleiderschrank. Sie tastet sich durch ihre Kleidung bis sie es in der Hand hält. Ihr Kleid. Dunkelviolette Seide - das wird sie übermorgen tragen. Sie möchte allen gefallen. Ob es nur klappt?

Im Bett angekommen, möchte Lisa noch etwas lesen. Mit mühe kämpft sie sich durch zwei Seiten von einem 600 Seiten Roman. Mittlerweile ist sie bei Seite 233 angelangt. Was vorher im Roman passiert ist hat Lissi aber schon längst vergessen. Lissi die Vergessliche. Mit diesem Gedanken legt sie sich auf das kalte Kissen. Sie fühlt sich alleine. Sie hätte gerne ihren Freund bei sich. Dass sie ihn vermisst, merkt sie vor allem immer dann wenn sie vor wichtigen Tagen steht. Lissi schließt die Augen. "Wie wird das nur werden" - dieser Gedanke geht ihr nicht mehr aus dem Kopf...

15.12.2008

U-Bahn in Berlin



...

was weiß ich,
und wenn ich es wüsste,
dann weiß ich es nicht...

09.12.2008

Drei Tage

Ein Traum, ein Moment - ich war mir sicher.

Sicher wie die nächsten 2 Stunden sein werden.

Sicher, wie alles weitergeht.

Lichter
Menschen die man kennt; vom Sehen. Ein eindeutiges Zeichen

Jede Sekunde bereits vorüber

Dann war nichts mehr sicher... nach drei Tagen war ich der Fehler im System.

Ich habe es gestört und den Ablauf für eine Zeit lang verlangsamt

Fakt ist aber: Das System funktioniert. Auch mit mir.

03.12.2008

Zwei

Schwarze Nacht, Wind, Lichter, Kälte, Wörter, Umarmung.

09.11.2008

Nordisches Fremdgehen III


Die schwere Nebeldecke lässt den Himmel verschwinden. Immer stärker werdende Regentropfen klopfen an das Fenster. Sie wird wach. Ein letztes Mal in diesem Zimmer. Ein letztes Mal in dieser Stadt. Sie möchte noch so viel sehen. Träume schleichen sich wieder in ihren Kopf ein. Wie wäre es wohl? Hier leben. Ein Teil zu sein. Ein Teil von den Menschen, der Stadt, dem Hafen, dem Wasser. Ein Teil dieser Ruhe und Leichtigkeit.

Wer es nicht selbst erlebt kennt es nicht: dieses Gefühl genau an diesem Ort zu sein und diese Menschen gesehen zu haben. Ihre Tagträumereien machen sie glücklich. Doch der permanente Geruch der Vergänglichkeit füllt den Raum immer mehr. Langsam erhebt sie sich vom Bett und sieht die kahlen Wände und leeren Holzvitrinen und Schränke. Es wird ihr wieder bewusst. Hier hat sie kein Leben. Heute geht es nach Hause. Die aufregende Stadt verlassen.

Sie möchte den Tag nützen und von der Stadt genutzt werden. Möchte noch ein letztes Mal dazugehören. Oder zumindest so tun als ob. Möchte den Menschen dieser Stadt noch ein letztes Mal ein Lächeln mit auf dem Weg geben. "Vergesst mich nicht, ich komme bestimmt wieder, um hier zu leben und eine von euch zu sein", denkt sie sich während sie lächelt. Sie ist hungrig nach Bildern. Doch der Tag ist durchgeplant. Die letzten Sehenswürdigkeiten müssen noch gesichtet werden. Ein Kaffee für den Weg. Den Weg zurück in die Stadt der Erinnerungen.

Die Nebeldecke hat den ganzen Tag über nicht abgenommen. Der Regen, der sie aufgeweckt hat heute Früh, hört nicht auf zu tröpfeln. Sie nimmt die U-Bahn und spürt schon ein Gefühl der Vertrautheit. Ein Gefühl der Erinnerungen in dieser Stadt. Kleine Erinnerungen. Aber trotzdem viel wert und so selten. Ein Mal noch Umseigen in den Bus, der sie schlussendlich zum Flughafen bringt. Aus dem dreckigen Bus-Fenster versucht sie Eindrücke zu sammeln und dieses Gefühl der Ruhe bewusst zu erleben. Sie weiß, dass sie es verlieren wird.

Nervosität macht sich breit. Sie sucht ihren Sitzplatz. Die letzte Reihe. Mittlerweile ist es Nacht geworden. Beim Abheben sieht sie goldene Lichter, wie sie immer kleiner werden. Das war es also. Das Stückchen Gold unter ihr war also Hamburg. Die Hanse-Stadt. Die Stadt am Hafen. Die Stadt an der Elbe. Hat sie alles gesehen? Ein Gefühl verpasst? "Bitte anschnallen" ertönt aus den Flugzeug-Lautsprechern. In einer Stunde ist es vorbei. Dieses Gefühl. Die Ruhe. In einer Stunde ist sie zu Hause. Weit weg vom Wasser. Vom Norden in den Süden. Sie ist fremdgegangen. Jetzt muss sie sich zu Hause wieder einfinden. Einfinden, in ihrer Stadt mit allen Erinnerungen. Sie spürt wie das Gefühl von heute Morgen langsam in ihr verschwindet.

01.11.2008

Nordisches Fremdgehen II

Das Unbekannte verschlingt jede ihrer Minuten, Stunden, Tage. Jede Gasse unbetreten, alle Häuser ungesehen, jeder einzelne Schritt führt nur, und nur, ins Ungewisse. Nicht unbedingt größer, aber weitläufiger scheint diese nordische Stadt für sie zu sein. Träume über ein neues Leben bei jeder Kreuzung, jedem Haus, jedem Schiff, das sie passiert. Der frische Wind umgibt sie und bringt frische Bilder in ihrem Kopf. Fantasien...

Menschen drängen sich an ihr vorbei. Sie kennt niemanden. Immer wieder fremde Stationen. Stationen der Stadt, Stationen ihres Lebens. Aber vor allem Stationen, die sie vom Untergrund wieder ins Licht führen. Hingezogen vom Drang nach neuen Bildern und neuen Gassen. Nichts kann passieren, sie ist mit sich selbst. Und mit dem Wasser. Auch wenn sie es nicht immer sieht. Es umgibt sie mit dem unvergleichlichen Klang der Möwen.

Langsam senkt sich die Sonne über den Horizont des Hafens. Die Lichter breiten sich wie kleine Glühwürmchen über die ganze Stadt aus, um sich im Wasser glanzvoll zu spiegeln. Sie ist angekommen und verbringt Zeit mit dem Stück Boden unter ihren Füßen. Sie geht über fremde Brücken. Sie geht fremd. Sie kennt niemanden. Ist aber nicht alleine. Das Wasser hat ihren Tag verschlungen. Mit zeitlosen Gedanken, fremden Blicken und der Ruhe, die nicht vergehen will. Was bleibt ist noch ein Tag mit der Stadt. Mit dem Wasser. Mit der Ruhe...

31.10.2008

Nordisches Fremdgehen

Audio




Text

Der eisige Wind bohrt sich durch ihre Haut tief in ihr Blut bis zu den erstarrten Knochen. Nur manchmal überkommt sie ein kurzes Gefühl der Wärme. Immer dann wenn sich die Sonne in ihrer spätherbstlichen Stärke wieder zeigt. Sie streckt ihre Hände dem Himmel entgegen. Sieht sich um. Bemerkt die Leichtigkeit die sie umgibt. Menschen, die mit langsamen Schritten dem überwältigenden Hafen mit Containern und Schiffen entlangspazieren. Ist es das Wasser? Fragt sie sich. Woran liegt es, dass alles steht, ruhig ist. Die Kälte wird langsam immer mehr zu einer Qual. Sie sucht Zuflucht und wird von der stickigen Zugluft in den unterirdischen Gassen angezogen...

"Bitte zurückbleiben" ertönt es aus den Lautsprechern. Ein starker Windzug streift durch die engen, langen Räume. Der Zug reibt sich an den Schienen und erzeugt dieses schleifende Geräusch, das alle umgibt. Es wird immer lauter und rauher. Lichter zeigen die orangen Mosaikwände in voller Farbenpracht. Wieder ein Gefühl der Ruhe. Die Türen öffnen sich aggresiv und sie überlegt noch ein letztes Mal: War es das Wasser?

27.10.2008

Der Sitzplatz

Alltagssituation. Ich drehe mich um und sehe ihn. Er ist nicht besonders groß und hat kurzes, krauses braunes Haar. Ein Mann, Mitte 40 mit Kebab in der Linken, läuft in den Waggon, den Wunschplatz im Auge fest fokussiert. Er will als Erster ankommen. Er achtet nicht auf die anderen und rennt zielgerade auf den roten Sitzplatz zu. Alles scheint ihm in diesem Moment egal zu sein. Er will diese zwei Plätze in der vollen U-Bahn. Fahrgäste werden von ihm brutal angestoßen und weggedrängt. Seine Liebste, auch um die 40 mit braun gewelltem Haar, geriet erst jetzt in mein Blickfeld. Sie lässt sich Zeit. Ist ganz ruhig und gelassen. Erst nach einer Weile kommt sie dazu und setzt sich neben ihn. Ihren Platz hat er neben dem Laufen und dem Kebab-Essen für sie reserviert. Dafür ernten sie beide für den Rest ihrer Fahrt mürrische Blicke der anderen Fahrgäste. Was war da los? Wo ist das unscheinbare und dezente Gerangel nur hin? Werde ich als Nächste brutal weggestoßen? ...